Seiler

1849 – 1895

Der Gründervater

1849 gründet Eduard Seiler die Pianoforte-Fabrik zu Liegnitz. Seine Vision: Er möchte Flügel und Pianos für den professionellen Anspruch anbieten und zugleich dem Bildungsbürgertum den Zugang in die Welt der Musik eröffnen. Schon das erste Seiler-Piano zeichnet sich durch den unverwechselbar transparenten Seiler-Klang aus. Mit großem Fleiß werden in kleinen Werkstätten die ersten Instrumente aus bestem Material von Hand gearbeitet und zusammengebaut. Die Vorgabe ist schlicht: das Vollkommene erreichen.

 

Geschäftlicher Aufschwung

Der Einsatz führt zum Erfolg – unter anderem erhält Seiler 1872 eine Goldmedaille in Moskau für seine überragende Qualität. Schon bald werden die Werkstätten zu klein. Die Pianofortefabrik zieht deshalb ums Jahr 1860 in den Steinmarkt Nr. 3 und richtet in der Goldbergerstraße Verkaufsräume ein. Die Söhne Paul und Max Seiler wachsen mehr und mehr zur wichtigen Stütze des Vaters heran. Nach den durch die Kriege 1864, 1866 und 1870/71 unruhigen Jahren folgt ein weiterer geschäftlicher Aufschwung, so dass Eduard Seiler 1873 eine große Fabrik mit Dampfbetrieb bauen lässt, in der im Frühjahr 1874 mehr als 100 Arbeiter die Beschäftigung aufnehmen. Wenig später stirbt Eduard Seiler im Herbst 1875.

Die ersten Nachfolger

Vier Jahre lang leiten daraufhin die Söhne Paul und Max die Geschicke des Unternehmens, bevor beide 1879 früh sterben. Zwischenzeitlich hat sich der jüngere Bruder Johannes Seiler zum praktischen Klavierbauer ausgebildet. Abgesehen vom Wissen aus der väterlichen Fabrik sammelt er auf Wanderschaft wertvolle Erfahrungen und Kenntnisse im In- und Ausland. Folgerichtig übernimmt Johannes Seiler Ende 1879 die technische Leitung der Manufaktur mit 120 Klavierbauern. Seine Schwäger August Lauterbach und Oswald Kasig treten als kaufmännische Leiter ins Geschäft ein.

Unter diesem Führungs-Trio wird der Klavierbauer Seiler zu einem der bedeutendsten Deutschlands und der ganzen Welt. Preise und Auszeichnungen in Wien, Amsterdam, Melbourne, Chicago, Berlin und Mailand begründen den Weltruf der Marke Seiler. Beeindruckende Neubauten und Vergrößerungen fallen in diese Zeit. Eine eigene Mechaniken- und Klaviaturen-Fabrikation wird 1882 aufgenommen. Die Holzlagerplätze haben den Umfang ganzer Straßenviertel.

1896 – 1944

Große Erweiterungen

1896 und 1907 entsteht jeweils ein großer Fabrik-Neubau, so dass 350 Arbeiter in Lohn und Brot stehen. Mehr als 40 Arbeiter arbeiten 25 oder mehr Jahre für Seiler – ein wesentlicher Beitrag zum gleichmäßig guten Gelingen der Instrumente. Die Jahresproduktion damals beträgt rund 2.000 Flügel und Pianinos (italienisch: „kleines  Piano“, Bezeichnung für das heute allgemein bekannte, aufrecht stehende Klavier).

Nach dem Tod von Johannes Seiler im Juni 1907 rückt sein Neffe Robert Lauterbach an die Spitze des Fabrikbetriebes, während Ludwig Lauterbach die kaufmännische Leitung übernimmt.

 

Seiler wird international

In Berlin unterhält die Firma seit 1893 eine große Filiale unter der Leitung von Dr. Richard Stern. In Breslau eröffnet 1907 eine Filiale, deren Geschicke in die Hände des langjährigen Mitarbeiters und Prokuristen Willy Heinze gelegt werden. Die Herren Barnes und Mullins führen das Zweiggeschäft London und versorgen England und seine Kolonien mit Seiler-Klavieren, die sich auch in den Tropen als nahezu unverwüstlich erweisen. Die Seiler-Flügel und -Pianos sind voll und ganz auf der Höhe der Zeit – ihren sympathischen Ton und die leichte, elastische Spielart erreicht kein anderes Fabrikat. In den hervorragendsten Bildungsstätten wie der Königlichen Hochschule für Musik in Berlin sowie den ersten Konservatorien, Seminaren, Präparandien des Inlandes und vieler bedeutender Institute des Auslandes sind die Seiler-Flügel und -Pianinos im Einsatz.

 

Anton Seiler-Dütz übernimmt als Schwiegersohn 1923 von Johannes Seiler die Unternehmensführung und setzt die Erfolgsgeschichte von Seiler fort. 430 Beschäftigte machen das Unternehmen zur „größten Pianofortefabrik Ostdeutschlands“. Künstler und Pianisten mit Weltruf, etwa Enrico Caruso, Arthur Nikisch oder Ruggero Leoncavallo, begleiten ihre Karriere mit Instrumenten von Seiler. Seiler beliefert die Bayreuther Festspiele und ist in Konzertsälen auf der ganzen Welt zuhause.

1945 bis heute

Neuanfang

Mit Ende des Zweiten Weltkrieges verliert Seiler seine Produktionsanlagen und das Stammhaus in Liegnitz. Nicht verloren dagegen gehen zum Glück das Wissen aus 100 Jahren Klavierbau-Erfahrung. Denn Steffen Seiler, der Sohn von Anton Seiler-Dütz stellt sich dem Neuanfang. Bei Nacht und Nebel und unter Einsatz seines Lebens sichert er die Gussplattenmodelle und Konstruktionszeichnungen und beginnt zunächst in Dänemark und ab 1961 im fränkischen Kitzingen mit der Fertigung von Klavieren nach Liegnitzer Vorbild. Mit immer wieder neuen Ideen entwickelt er den unverwechselbaren Seiler-Klang weiter. Richtungsweisend ist der Einsatz der Super-Magnet-Repetition (SMR), revolutionär die Entwicklung des DuoVox-Systems, einer akustischen Stummschaltung und digitalen Anbindung des Klaviers, mit dem er die musikalische Brücke ins 21. Jahrhundert schlägt.

1998 stirbt Steffen Seiler unerwartet und seine Frau Ursula übernimmt die Geschäftsführung. Doch die deutsche Klavierbau-Branche ist im Umbruch. Die Zeit ist geprägt von gesättigten europäischen Märkten. Viele namhafte Klavierhersteller schaffen es nicht, sich rechtzeitig neu aufzustellen.

„Es ist die Suche nach der Seele, nach dem besonderen Klang, die uns motiviert, unsere Flügel und Pianos mit unserer ganzen gesammelten Erfahrung, mit ungebrochenem Pioniergeist, großer Leidenschaft und einer Perfektion bis ins Detail immer wieder neu und weiter zu entwickeln.“ Steffen Seiler (1923 – 1998)

Beständigkeit und Wandel

2008 wird der koreanische Konzern Samick, bis heute einer der größten Instrumenten-Hersteller der Welt, neuer Inhaber der Traditionsfirma Seiler. Alle Samick- und Seiler-Fabrikate bekommen einen frischen Marken-Auftritt. Zudem investieren die deutsch-asiatischen Klavierbauer in eine stetige Qualitätsverbesserung. Bei Samick spricht man von sinnvollen Synergien, unterstreicht aber, dass die Instrumente auch in Zukunft getrennt gefertigt werden. Samick produziert wie bisher in Indonesien, während Seiler weiterhin für beste Qualität „Made in Germany” steht.

 

Seiler ist im Hier und Jetzt angekommen. Unsere Flügel und Pianos werden heute in über 30 Länder auf allen Kontinenten exportiert. Der Erfolg der Firma gründet sich weiterhin auf die traditionsbewusste Fertigung und Qualitätskontrolle im fränkischen Kitzingen. Das musikalische Innenleben der Seiler-Flügel und -Pianos ist umrahmt von Gehäusen, die den Zeitgeschmack aufnehmen und beeinflussen. Die hohe Kompetenz in der Verarbeitung hat Seiler im Markt weltweit zum Trendsetter werden lassen. Unsere Instrumente zählen heute zu den schönsten der Branche und der transparente Seiler-Klang ist und bleibt unverwechselbar.